125 Jahre gbg-Geschichte in Hildesheim

Bürogebäude der gbg in der Innenstadt

Die Aufgabe ist klar seit 1892: Die Gemeinnützige Baugesellschaft soll Menschen mit guten Wohnungen versorgen. In 125 Jahren hat sich jedoch viel verändert, nicht nur die Vorstellung vom „guten“ Wohnen. Die Deutschen erleben in vier politischen Systemen Aufstieg, Niedergang und Wiederaufbau. Wirtschaftliche Krisen und Aufschwünge verändern den Lebensstandard. Aus Hildesheim wird eine Großstadt, aus der Wohnungsgesellschaft der Handwerker und Kaufleute eine städtische Institution. Heute bietet die gbg nicht nur Wohnungen, sondern auch ein angenehmes Lebensumfeld, soziale Einrichtungen und vielfältigen Service.

Begonnen hat alles vor 125 Jahre, am 20. Oktober 1892 im Hildesheimer Rathaus: Eine Runde einflussreicher Männer hat sich versammelt, Oberbürgermeister Dr. Gustav Struckmann übernimmt den Vorsitz. Neben Handwerksmeistern wie dem Dachdecker Theodor Gerke und dem Maurer Carl Müller sind auch der Ziegeleibesitzer William Rasch und der Architekt Hans Wening dabei. Schwungvoll setzen die fünf Herren ihre Namen in die erste Spalte eines vorbereiteten Dokuments. Sie haben soeben den Gesellschaftsvertrag für die „Gemeinnützige Baugesellschaft zu Hildesheim“ beschlossen und gelten seither als „Gründer“. Weitere Honoratioren der Stadt unterzeichnen das Schriftstück. Major a.D. Max Buhlers, Ziegeleibesitzer Franz Frankenberg und der Kaufmann Adolf Schwemann bilden den „Vorstand“ des Unternehmens.

Zum „Aufsichtsrath“ zählen neben anderen Handwerkern auch Vertreter der Verwaltung. Hinzu kommen der Bankdirektor Max Leeser und die Fabrikanten Hermann Propfe und Anton Senking. Es sind klangvolle Namen: Leeser hat 1886 die Hildesheimer Bank mitgegründet, Propfe betreibt eine Maschinenfabrik und Senking produziert erfolgreich Herde. Die Baugesellschaft hat also eine breite Basis in der Stadt und verfolgt nur ein Ziel: die „Herstellung von billigen und gesunden Wohnungen“, wie es im Gesellschaftsvertrag heißt. Eine Verbesserung der Wohnungssituation ist dringend nötig, denn Hildesheim ist gewachsen, und viele Menschen leben unter unzumutbaren Bedingungen.

Im Schatten der Industrialisierung

Hildesheim hat mit der Industrialisierung viele neue Einwohner gewonnen. Zählte die Stadt um 1850 nur knapp 15.000 Menschen, waren es um 1890 bereits knapp 30.000. Seit die Hildesheimer 1846 an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurden, siedelten sich viele Betriebe an, insbesondere aus dem Maschinenbau. Neben der Eisengießerei Gebr. Propfe und der Herdfabrik Senking gehörten die Werke von Kattentidt und Ahlborn, die beide zunächst Landmaschinen herstellten, zu den großen Arbeitgebern. Bereits 1875 beschäftigten die Hildesheimer Gewerbebetriebe etwa 5000 Arbeiter und Angestellte, weitere kamen laufend hinzu. Der noch mittelalterlich anmutende Ort entwickelt sich zu einer kleinen Industriestadt – mit allen Problemen, die das mit sich bringt.

Die beengten Verhältnisse in vielen Häusern führen zu sozialen Konflikten und lassen sogar gesundheitliche Probleme befürchten. Die 1892 in Hamburg wütende Choleraepidemie wird nicht zuletzt auf mangelnde Hygiene in überfüllten Wohnquartieren zurückgeführt. Die Zustände in Hildesheim waren ebenfalls bedenklich.

Erwerbshäuser und Mietwohnungen

Ausreichend Kapital ist bei der Gründung der „Gemeinnützigen“ vorhanden. 98 Aktionäre, darunter vor allem Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibende, haben insgesamt 280 Anteilsscheine zu je 250 Reichsmark gezeichnet, sodass die Gesellschaft über 70.000 Reichsmark verfügt. Das Unternehmen verfolgt zwar ein soziales Anliegen, soll aber durchaus wirtschaftlich arbeiten. Erste Häuser für ein und zwei Familien entstehen etwas außerhalb des Stadtzentrums an der Spichernstraße, in den Jahren darauf an der nahegelegenen Waterloostraße. Diese sogenannten Erwerbshäuser verkauft die Gemeinnützige für 5000 bis 8000 Reichsmark, Interessenten müssen eine Anzahlung von 300 Reichsmark leisten. Erst als sich herausstellt, dass viele Familien noch nicht einmal diesen Betrag aufbringen können, wird beschlossen, zusätzlich Häuser mit Mietwohnungen zu errichten.

Bauen trotz Finanznot und Krieg

Ab 1901 baut die gbg weitere 12 Doppelhäuser und 24 einfache Zweifamilienhäuser an der Waterloo-, Spichern- und Goethestraße zum Kauf und zur Miete. Auf der Marienburger Höhe wird weiteres Bauland erschlossen, sodass sich rund um die Scharnhorst-, Körner- und Schillstraße ein kleines eigenes Quartier bildet. Durch die „lebhafte Bautätigkeit“ kommt die gbg immer mehr in Fahrt. 1908 wohnen in den Seitenstraßen der Marienburger Straße bereits 600 Menschen in rund 100 Wohnungen. Die Nachfrage ist groß, doch das junge Unternehmen kämpft mit Problemen. Anfangs fehlen die Grundstücke, um zu bauen, später fällt die Finanzierung schwer. Die schwierige finanzielle Lage spitzt sich nach Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 zu. 1915 kann die gbg zwar noch das große Projekt Marienburgerhöhe mit 30 Wohnungen an der Gneisenau- und Körnerstraße abschließen, doch bald darauf ruht die Arbeit auf den Baustellen.

Als der Krieg endet, ist der Wohnungsmangel wieder groß, aber das Geld knapp. In den Nachkriegsjahren leidet die Arbeit der gbg unter den chaotischen Verhältnissen. Zum einen fehlen Baustoffe, um Projekte abzuschließen, zum anderen treibt die Inflation alle Kosten in die Höhe. Es herrscht vor allem Unsicherheit, denn „die bei der rasenden Geldverschlechterung je nach ihrer Entstehungszeit verschieden stark aufgeblähten Zahlen ergeben kein klares Bild mehr über den wirklichen Wert derselben“. Erst mit der Währungsreform 1923 und der Einführung der Reichsmark 1924 kehrt eine gewisse Normalität in das Wirtschaftsleben zurück.

Wohnungsbau in Erwartung des Kriegs

Ab Mitte der 1930er Jahre wird der Wohnungsmangel erneut akut, weil die Stadt rasant wächst. Hildesheim entwickelt sich zu einem Wehrmachtsstandort: In bereits geräumte Kasernen ziehen wieder Soldaten ein, vom Wehrbezirkskommando bis zu einer Fliegerschule siedeln sich verschiedene Dienststellen und Institutionen an. Auch die örtliche Wirtschaft belebt sich. Das „Metallwerk“, ein Betrieb der Vereinigten Deutschen Metallwerke (VDM) aus Frankfurt, produziert ab 1934 in Hildesheim Teile für Flugzeugmotoren. Alteingesessene Unternehmen wie Ahlborn und Senking expandieren zunächst in ihren Branchen, d.h. mit Maschinen für die Landwirtschaft und mit Kochanlagen. Später werden sie ebenfalls zu Rüstungsbetrieben. In allen Werken steigt die Zahl der Beschäftigten sprunghaft und Wohnungen werden knapp.

Hinzu kommt, dass in der Hildesheimer Altstadt seit 1935 ein groß angelegtes Programm zur Beseitigung und Sanierung von Altbauten läuft. Dabei werden Anbauten abgebrochen und marode Behausungen entfernt; die gesamte Altstadt soll offener werden. Die Maßnahmen zeigen sofort Auswirkungen: Sie schaffen Arbeitsplätze und damit weiteren Bedarf an Wohnraum; zunächst gehen allerdings Wohnungen verloren. Der Wohnungsmarkt kommt in Bewegung: Menschen ziehen um, verändern und verbessern ihre Wohnsituation. So vermittelt die Stadt 1935 ein Reichsdarlehen, damit die gbg Bauprojekte außerhalb der Stadt abschließen kann. In der Gartenstadt Waldquelle werden daraufhin 82 Eigenheime gebaut, die reißenden Absatz finden. Direkt im Anschluss folgt der Bau von mehr als 300 Eigenheimen in der Gartenstadt Nord. Anwärter auf Häuser und Wohnungen sollen lediglich ein „kleines Sparkapital“ einbringen, die Finanzierung im Übrigen durch staatliche oder städtische Darlehen ermöglicht werden. Familien, die diese Häuser beziehen, machen in ihren Altbauwohnungen Platz für Mieter, die durch die Altstadtsanierung ihre Wohnungen verloren haben.

Die Bautätigkeit scheint rege und die Versprechungen der nationalsozialistischen Propaganda sind maßlos. Im Alltag kommt es jedoch zu Problemen: Bauprojekte verzögern sich immer häufiger, weil Baustoffe und Arbeitskräfte fehlen. Schließlich läuft die gesamte Wirtschaft in Vorbereitung des Krieges auf Hochtouren und hat kaum noch Ressourcen für den Wohnungsbau. Im Hildesheimer Wald siedeln sich zum Beispiel die kriegswichtigen Trillke-Werke an – ein Tochterunternehmen des Bosch-Konzerns, das elektrische Anlagen für Lkw, Panzer und Schiffe herstellt.

Zwischen „ordnungsgemäßen Geschäften“ und totaler Zerstörung

Der Krieg beginnt am 1. September 1939 mit dem Überfall der Wehrmacht auf Polen. Während 1939 noch einige Mehrfamilienhäuser fertig gestellt werden, ruhen die Bauarbeiten 1940 ganz. In den Jahren 1941 und 1942 baut die gbg immerhin noch 48 sogenannte Volkswohnungen, die ab 1943 bezogen werden können. Wie alle Branchen leidet auch die Wohnungswirtschaft unter dem Mangel an Arbeitskräften, da fast alle Männer im arbeitsfähigen Alter Kriegsdienst leisten. Die anstehenden Aufgaben lassen sich „in der Hauptsache“ mit dem verbliebenen Personal bewältigen, heißt es im November 1943 bei der gbg. „Bei einem weiteren Abzug von Arbeitskräften würde jedoch keine Gewähr mehr für eine ordnungsgemäße Geschäftsführung gegeben sein.“ Bis zum Ende des Kriegs hält die gbg einen eingeschränkten Betrieb aufrecht und kümmert sich vornehmlich um die Vermietung und Betreuung ihrer Wohnungen. Immerhin hat die Gesellschaft bis 1945 und damit in den ersten 53 Jahren ihres Bestehens mehr als 600 Häuser mit rund 1400 Wohnungen gebaut.

Vom Kriegsgeschehen spüren die Hildesheimer lange Zeit wenig. Bis zum Februar 1945 gibt es nur vereinzelte Bombenangriffe und kaum Schäden an den Gebäuden. Erst in den letzten Kriegswochen trifft es Hildesheim hart. Am 22. Februar 1945 sterben bei einem großen Luftangriff mehr als 350 Menschen. Weitere Bombardierungen folgen, bevor die Bevölkerung am 22. März 1945 ein Inferno erlebt, das als traumatisches Ereignis tief im Gedächtnis der Stadt verankert ist: Hildesheim wird bei einem Angriff britischer und kanadischer Flieger nahezu vollständig in Schutt und Asche gelegt. Mehr als 1500 Menschen sterben, die historische Altstadt geht in Flammen auf. Hildesheim verliert nicht nur etwa 80 Prozent seiner öffentlichen Gebäude, sondern auch rund die Hälfte seines Wohnraums. Vom Bestand der gbg werden neun Häuser mit 55 Wohnungen sowie die Geschäftsstelle total zerstört, fast alle übrigen Häuser sind mehr oder weniger beschädigt.

Sofortmaßnahmen und Wiederaufbau

Die Hildesheimer machen sich trotz des Schocks rasch an die Arbeit, um ihre Stadt wieder aufzubauen. Erste Erfolge sind nach einigen Monaten zu sehen, am Ende des Jahres 1945 sind sämtliche Straßen geräumt. Über eine Million Kubikmeter Schutt sollen herausgeschafft worden sein und mehr als zwei Millionen Steine abgeputzt. Auch die gbg beteiligt sich an den Notmaßnahmen und behebt Schäden an ihren Gebäuden soweit wie möglich. Außerdem baut die Gesellschaft Baracken, die als Behelfsunterkünfte immerhin 100 Familien ein Dach über dem Kopf bieten. Die Zahl der Wohnungssuchenden wächst nach dem Kriegsende. Hielten sich im Frühjahr 1945 nur noch etwa 40.000 Menschen in der Stadt auf, sind es Ende 1947 bereits mehr als 66.000. Ausgebombte, die außerhalb Hildesheims Schutz gefunden haben, kehren zurück, Flüchtlinge und Vertriebene suchen im Westen eine neue Heimat.

Die Wohnungsbaugesellschaften haben eine besondere Aufgabe beim Wiederaufbau. Alle Bauarbeiten werden allerdings bis zum Frühsommer 1948 durch die schlechte Ernährungslage, fehlende Fachkräfte und einen Mangel an Baustoffen erheblich erschwert. Erst als es nach der Währungsreform am 20. Juni 1948 wieder die nötigen Materialien zu kaufen gibt, kommt die Baubranche wie die gesamte Wirtschaft in Gang.

Eine neue Stadt

Ab 1949 geht es für die gbg Schlag auf Schlag: Mit Krediten und Fördermitteln, die nun endlich zugänglich sind, werden 12 Häuser mit mehr als 100 Wohnungen errichtet, die bereits Ende des Jahres bezogen werden. Weitere Vorhaben – unter anderem der Bau von Eigenheimen – sind geplant. Ermöglicht wird dies unter anderem durch das erste Wohnungsbaugesetz von 1950, das vorsieht, „Wohnungen, die nach Größe, Ausstattung und Miete für die breiten Schichten des Volkes bestimmt und geeignet sind“ zu fördern. Ärgerte man sich bei der gbg noch gelegentlich über „kompliziert gewordene Finanzierungs- und Bewilligungsverfahren“, betont sie nun, „dass alle öffentlichen Stellen bemüht sind, den Wohnungsbau, insbesondere den sozialen Wohnungsbau, mit allen Mitteln zu fördern“.

Von besonderer Bedeutung für die gbg ist das Projekt „Innenstadt I“. Im vollkommen zerstörten Altstadtbereich rund um die Andreaskirche plant die Stadt mit der gbg als ausführender Baugesellschaft eine Neubesiedlung mit Wohn- und Geschäftsgebäuden. Der Erwerb der Grundstücke auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen Areal aus kleinen Parzellen zieht sich aber hin. Während manche Eigentümer den Wiederaufbau nicht selbst leisten können und ihre Grundstücke gern verkaufen, gibt es in anderen Fällen Probleme, unter anderem mit schwer zu erreichenden Erben im Ausland. 1950 beginnen endlich die Bauarbeiten für 23 Häuser mit 259 Wohnungen und sechs Läden. Mit dem Andreasviertel leistet die gbg einen wichtigen Beitrag zum kontrovers diskutierten Wiederaufbau.

Hildesheim benötigt nach dem Krieg schnell Wohnungen und Funktionsbauten, ist jedoch auch in Sorge um sein kulturelles Erbe. Der Kunsthistoriker Joseph Bohland befürchtet: „Die Stadt wird kein buntes Kleid, sondern eine Uniform bekommen.“ Doch wie soll die „neue Stadt“ aussehen? Während manche zumindest die Struktur der Stadt erhalten wollen, plädieren andere rigoros für „breite Straßen und moderne Häuser“. Das Andreasviertel gilt als guter Kompromiss: Die Straßenführung und die kleinräumige Bebauung bleiben bestehen – und damit auch der Charakter des Viertels. Die Wohnbebauung der gbg findet große Anerkennung und steht heute teilweise unter Denkmalschutz.

Die gbg stellt sich mit ihren 15 Mitarbeitern zu Beginn der 1950er weiter der Aufgabe, den Wohnungsmangel zu beheben. Der Bestand erhöht sich allein von 1949 bis 1950 von 121 Häusern und 641 Wohnungen auf 165 Häuser und 731 Wohnungen. Mit dem Aufschwung der Hildesheimer Industrie wächst der Bedarf. So werden 1951 50 Wohnungen an Mitarbeiter der Bosch-Blaupunkt-Werke vermietet, im gleichen Jahr startet der Bau von 23 Häusern in einer Eigenheimsiedlung. Mit großen Bauprojekten in den 1950er Jahren entwickelt sich die gbg zum größten gemeinnützigen Bauunternehmen im Raum Hannover/Hildesheim. Wie viele andere Baugesellschaften in ganz Westdeutschland trägt die gbg dazu bei, dass das Ziel des ersten Wohnungsbaugesetzes von 1950 – der Bau von jährlich 300.000 Wohnungen – sogar übertroffen wird. Auch in Hildesheim fehlt Ende der 1950er Jahre noch so viel Wohnraum, dass die Stadt und die gbg sich zu einem großen Schritt entschließen.

Größter Vermieter der Stadt

Modellentwurf des Stadtteils Neu-Drispenstedt

„Das größte Bauprojekt, das in Hildesheim je geplant worden ist“ – so kündigt die HAZ die „Satellitenstadt“ in Drispenstedt im Dezember 1958 an. Hochhaussiedlungen wie die Neue Vahr in Bremen oder die Sennestadt in Bielefeld, die vielen Wohnungssuchenden eine Unterkunft bieten, dienen als Vorbild. Professor Fritz Eggeling (1913–1966), nach dem Krieg als Baurat in Hannover tätig und an der Planung der Sennestadt beteiligt, wird auch für die Entwicklung von Neu-Drispenstedt gewonnen. Weil das Großprojekt viel planerische Arbeit erfordert, engagieren die gbg und das Planungsbüro der Stadt neben Eggeling mehrere renommierte Hildesheimer Architekten. Dazu zählen August Alfred Steinborn, der bereits im Andreasviertel mit geplant hat, und vor allem Heinz Geyer (1923–2015), der die großen Neubauten in besonderer Weise prägt. Dass eine Gruppe von Architekten die Entwurfsplanungen übernimmt, verhindert Eintönigkeit und beschleunigt den Bau.

Hochhäuser in Drispenstedt im Jahr 1967

Wie erhofft beziehen 1960 die ersten der etwa 4500 Mieter ihre Wohnungen und beschweren sich nicht, als sie ihre Einrichtungen noch durch Bauschlamm tragen müssen.
Manche Menschen leben seit dem Kriegsende in provisorischen Unterkünften und vor allem Beschäftigte der Bosch-Blaupunkt-Werke brauchen Wohnungen. Das Unternehmen beschäftigt Mitte der 1960er Jahre bereits mehr als 5.000 Mitarbeiter und sucht weitere. Im Osten der Stadt liegen Flächen, die sich für Bebauung eignen.

Die nur 650 Einwohner starke Gemeinde Ochtersum beauftragt den Architekten Heinz Geyer, einen komplett neuen Ortsteil für 3500 Menschen zu planen. Bald darauf übernehmen die Hildesheimer Wohnungsbaugesellschaften – neben der gbg die „Kreiswohnbau“ und der „Beamten-Wohnungs-Verein“ – und erschließen gemeinsam das Gelände. Drei Hochhäuser mit 126 Wohnungen – die höchsten Wohnhäuser des Hildesheimer Raums – sind seit 1970 Wahrzeichen des neuen Wohngebiets.

123 weitere Wohnungen in mehrgeschossigen Miethäusern entstehen zu Beginn der 1970er Jahre am Trockenen Kamp in der Nähe des Bosch-Werkes. Im Herbst 1970 bewirtschaftet die gbg insgesamt 5285 Wohnungen. Vor allem mit den Neubaugebieten am Rand der Stadt hat sie erfolgreich die akute Not der Nachkriegsjahre bekämpft.

Neue Aufgaben und Herausforderungen

„Der Bau von Mietwohnungen ist fast am Ende“ schreibt die HAZ im Sommer 1972. Die Kosten sind zu hoch und die Mieten im sozialen Wohnungsbau zu niedrig, um kostendeckend neue Mietwohnungen zu bauen. Zentralheizungen, Bäder, isolierverglaste Fenster und verstärkte Steigleitungen – die 1970er Jahre sind geprägt von Modernisierungen.

Modernisierung im Jahr 1976

Die gbg investiert erheblich, um ihren Kunden zeitgemäßen Komfort zu bieten. Allein zwischen 1977 und 1981 werden mehr als 800 Wohnungen erneuert, was 14,5 Millionen Mark kostet und die gbg in immer größere finanzielle Schwierigkeiten bringt. Während die Ausgaben für die Bewirtschaftung der mehr als 5000 Wohnungen steigen, schwächt sich die Konjunktur ab. Als in Westdeutschland 1983 erstmals mehr als zwei Millionen Menschen arbeitslos sind, verschärft sich auch in Hildesheim die soziale Lage. Bei Bosch-Blaupunkt, dass zu seinen besten Zeiten Mitte der 1970er Jahre 13.700 Mitarbeiter hat, sind 1982 nur noch gut 7.600 Menschen beschäftigt. Die Produktion in Deutschland rechnet sich nicht mehr und die Mitarbeiterzahl geht zurück. Die Krise wirkt sich auch auf die gbg aus. Es kommt zu Zahlungsrückständen und Konflikten – zwischen den Nachbarn und mit der Wohnungsgesellschaft. Insbesondere große Familien und Bezieher von Transferleistungen können die Mieten nicht mehr aufbringen. Die gbg steckt wie viele gemeinnützige Gesellschaften in einem schwer zu lösenden Widerspruch: Sie soll den finanziell Schwächeren Wohnraum bieten, dabei jedoch Verluste möglichst vermeiden.

Bewusst gemeinnützig

Gegen Ende der 1980er Jahre beginnt sich die Lage der gbg zu stabilisieren. Sozialarbeiter helfen Streitigkeiten zu schlichten, Mieterbeiräte vertreten die Interessen der Bewohner. Es ist gelungen, die immer wieder angespannte Situation in den Siedlungen zu entschärfen, und das Unternehmen arbeitet wieder rentabel. Nachdem über viele Jahre in die Modernisierung der Wohnungen investiert wurde, steigt die Nachfrage. Da zudem die öffentliche Förderung angehoben wird, baut das Unternehmen Dachgeschosse aus und plant den Neubau von Mietwohnungen. Die gbg ist in guter wirtschaftlicher Verfassung und definiert ihre Rolle neu, als die Diskussion über die Gemeinnützigkeit von Wohnungsbauunternehmen aufkommt. In der Gründungszeit im 19. Jahrhundert und insbesondere in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg haben die gemeinnützigen Unternehmen unzweifelhaft viel für den Wohnungsbestand in den Städten geleistet, doch am Ende der 1980er Jahre halten viele ihre steuerliche Bevorzugung für überholt, 1990 wird das Gemeinnützigkeitsgesetz aufgehoben. Die Stadt Hildesheim bekennt sich aber im Stadtrat ausdrücklich zum Ziel der Gemeinnützigkeit.

Wie wichtig der Gemeinnutz-Gedanke ist, zeigt sich seit den frühen 1990er Jahren. Als der Ostblock nach den Grenzöffnungen bröckelt und in Jugoslawien ein Krieg ausbricht, brauchen immer mehr Menschen bezahlbare Wohnungen. Ostdeutsche, die in Hildesheim Arbeit finden, und Flüchtlinge, die Schutz suchen, sind neben anderen benachteiligten Personen auf öffentlich geförderten Wohnraum angewiesen. Die gbg baut zum Beispiel 1992 sehr einfach ausgestattete Wohnungen an der Andreaskirche aus und vermietet sie an Senioren. Im Gebäude einer ehemaligen Zoohandlung entstehen Wohnungen, in die unter anderem eine siebenköpfige Familie von Spätaussiedlern einzieht.

Nachdem die gbg etwa zehn Jahre lang keine Mietwohnungen mehr gebaut hat, beginnt sie in Ochtersum 1992 mit der Errichtung von 17 Wohnungen. Ein besonderes Bauprojekt startet 1994 an der Münchewiese, wo die Hildesheimer Sinti – eine der größten und ältesten Gemeinden in Deutschland – in einfachen Unterkünften und Wohnwagen leben. Die gbg errichtet am gleichen Standort aus eigenen Mitteln für 2,7 Millionen Mark neun Gebäude für 36 Familien. Die Stadt stellt das Grundstück kostenlos zur Verfügung und das Land Niedersachsen leistet finanzielle Unterstützung. Die neue Siedlung verbessert die Wohnsituation für bald mehrere hundert Menschen und schafft Kontakte innerhalb der Stadt. Die gbg bietet also nicht nur Wohnraum, sondern fördert als städtische Institution auch das Miteinander verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in der Stadt.

Wohnungen schaffen und die Stadt entwickeln

Nachdem die gbg sich jahrzehntelang bemühte, den Wohnungsmangel zu beheben, steht sie Ende der 1990er Jahre vor einer veränderten Situation. In ihrem eigenen Bestand gibt es schwer zu vermietende Wohnungen, die nicht mehr den Erwartungen an Ausstattung und Umfeld entsprechen. Da Leerstände eine finanzielle Belastung sind, investiert die gbg verstärkt in die Ausstattung. Die Modernisierungen reichen von modernen Bädern bis zu gepflegten und sicher gestalteten Hauseingängen.

Service-Wohnen in Drispenstedt

Vor allem beginnt die gbg, wohnbegleitende Dienstleistungen einzuführen, und stellt sich damit auf den „demografischen Wandel“ ein, der etwa seit dem Jahr 2000 in aller Munde zu sein scheint. Auch in den Häusern der gbg sind die Menschen im Durchschnitt älter als Jahrzehnte zuvor, sie benötigen Unterstützung oder wünschen sich zumindest das gute Gefühl, sie in Anspruch nehmen zu können. Das Service-Wohnen – ein gemeinsames Projekt von GBG und ASB – bietet von der Beratung bis zur Pflege ein breites Spektrum an Hilfe. Wie wollen wir leben? Mit dieser Frage beschäftigt sich die gbg nicht nur selbst; sie sucht den Kontakt mit ihren Kunden, um Bedürfnisse zu ermitteln. Wohngemeinschaften für junge und ältere Menschen, nachbarschaftliche Unterstützung oder Treffpunkte für Gruppen und Vereine – die Wohnungsgesellschaft nutzt viele Möglichkeiten, um die Wohnqualität zu verbessern.

In den letzten Jahren erhebt die gbg bewusst den Anspruch, mehr als Wohnraum zu schaffen. Wohnen prägt den Alltag der Menschen und das Leben in der Stadt. Insofern ist gutes Wohnen ein wichtiger Baustein für eine gute Entwicklung einer Stadt. Wenn die gbg sich heute als Motor der Stadtentwicklung sieht, heißt das auch, öffentliche Einrichtungen wie das Theater oder die Volkshochschule zu fördern. In ihrem Kern – Wohnungen für alle Bevölkerungsgruppen zu fairen Preisen – ähnelt die Aufgabe noch immer dem 1892 formulierten Auftrag.

Einfach Wohnsinn! www.gbg-hildesheim.de - das wohnungsunternehmen der stadt. Tel. (05121) 967-0